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home · Nachrichten, ZDF macht einen ganzen Abend Wahlkampf


Mainz, 26. August: ZDF verwendet abgewandelt den veralteten Unionsslogan und Hugenbergspruch.

Gestern mußten wir noch anerkennen, wie gut das Format Wahlkampfarena in der ARD ist. Heute müssen wir das ZDF und insbesondere Berlin Mitte als absolut unausgewogen und schräg abkanzeln.
Beginnen wir mit der Berliner Runde: es fällt auf, dass die Union als einzige Partei zu zweit vertreten ist und das die Linkspartei zur Zeit drittstärkste Kraft in Deutschland aber ohne Fraktionsstatus offensichtlich ausgeschlossen wird.
Das ist normalerweise bei Fischer in Topform noch kein Handicap, allerdings war Fischer von Wahlkampfauftritten derartig heiser, dass er kaum zu verstehen war. Er kämpft halt um jede Stimme und auch um die eigene.
Stoiber, der zu Anfang das Studio wohl mit einem Bierzelt verwechselte, hat irgendwann erkannt, dass er gar nicht mehr Kanzlerkandidat ist und wurde zusehends ruhiger. Angela Merkel wirkte nach unserer Auffassung sehr arrogant. Die Wahl ist noch nicht gewonnen Angela! Spiegel Online hat die Sendung übrigens gut kommentiert (siehe hier).

Im heute journal leistete sich Günther Beckstein am Nürnberg Hauptmarkt gegenüber einem türkischstämmigen Obsthändler einen riesen Versprecher. "...90% der Muslime sind anständige, fleißige, tolerante Menschen oder vielleicht auch 95%."
Na Danke her Kompetenzinnenminister. 200.000 bis 400.000 unanständige in Deutschland. Unionsglück, dass viele kein Wahlrecht am 18. September haben.

Nach dem heute journal driftete das ZDF zum vollkommenen schwarzgelben Wahlwerbesender ab. Berlin Mitte: Das Motto: Gewählt wird, wer Arbeit schafft erinnerte nicht nur an das gestrichene unsägliche Unionsmotto, nein es wurde auch noch mit viel Freude 5 gegen 1 gespielt (nicht im Sinne von männlicher Selbstbefriedigung). Maibritt Illner lieferte Steilvorlagen für Angriffe auf Wolfgang Clement und bremste auch unsäglich Äußerungen der Gäste Jörges, Koch und Hoeneß in keiner Weise.
Uli Hoeneß (Rechenschaftsplichtig dem Bayern München Aufsichtsrat Stoiber), der alles besser kann und sowieso der Beste ist, zudem Bayer und eh klüger, konnte sich irgendwann nicht mehr zurückhalten und giftete den Wirtschaftsminister an, als wäre der Rudi Assauer. Wahrscheinlich hat er die Sendung mit Doppelpass im DSF verwechselt. Er lobte sich und den FC Bayern über den Klee. Sinngemäß, wenn Deutschland wie der FC Bayern geführt werde und jedes Unternehmen ein zusätzliches Monatsgehalt vom Top-Spieler bis zur Putzfrau und dem Greenkeeper zahlt, die Mitarbeiter am Erfolg beteiligt wie Bayern München, dann ist die Welt wieder in Ordnung.
Bayerische Stammtischparolen pur aber völlig realitätsfremd. Es scheint, dass Kirchhof und Hoeneß (ist der schon im Kompetenzteam für die WM 2006?) mit radikalen Forderungen CSU-Frustrierte zurückgewinnen sollen. Jedenfalls tut sich Moderatorin Illner selbst keinen Gefallen, während wir von "Angela? Nein Danke" mit mehreren politischen Freunden via Internet über die Sendung kommunizierten, was da abläuft, hatte sich am Ende der Sendung ausnahmslos jeder zu Harald ins Erste verdrückt. Das war auch für Politikinteressierte einfach die bessere Unterhaltung.


Nürnberg, August 2005: Beckstein Dialog mit dem Nürnberger Obsthändler, gesendet im ZDF heute journal am 25. August. Transscript des Dialoges:

Beckstein: Sie haben keine Probleme?

Obsthändler: Bis jetzt habe ich nicht.

Beckstein: Was heißt bis jetzt?

Obsthändler:Ich weiß nicht wie's weitergeht, ob es auch so gut bleibt.

Beckstein: Wir strengen uns sehr an.

Obsthändler: Richtig das weiß ich, ja. Mich stört als Ausländer hier, dass durch diese islamische Politik, die islamische Terroristen, das immer den ganze Islam der mit reinzieht. Das stört.

Beckstein: In jeder Rede das ich sag, 90% der Muslime sind anständige, fleißige, tolerante Menschen, oder vielleicht auch 95% und die paar Spinner von denen muss man sich trennen.

Anmerkung In Deutschland leben mindestens 3,5 Mio. Muslime Herr Beckstein. Überlegen Sie bitte genauer bevor sie so etwas in jeder Rede sagen. Hunderttausende als Spinner hinzustellen ist nicht gerade opportun.
Man muss dem guten Beckstein allerdings zugute halten, dass er sich offen gegen Nazis ausspricht, so geschehen ebenfalls in Nürnberg auf einer Gegenkundgebung zu einem Aufmarsch der Rechten am letzten Wochenende.


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